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1990 - 1999

1990

Das letzte Jahrzehnt dieses Jahrtausends war Mahnung und Versprechen zugleich. Die SV 1930 Hockenheim feierte ihr 60-jähriges Bestehen. Der Auftakt der Jubiläumsaktivitäten fand bereits am 16. Februar statt. Mit der Verpflichtung des Ungarischen Großmeisters Andras Adorjan zu einer Jubiläums-Simultanveranstaltung an 31 Brettern in den Räumen des DRK-Hockenheim. Der Budapester Großmeister gewann 19 Partien, remisierte 10 mal und zwar gegen Thomas Wittmann, Gerold Rocholz, Jens Matschos, Dieter Auer, Adolf Marquetant, Günter Auer und Martin Mausehund aus Hockenheim, sowie R. Wittmann aus Altlußheim als auch M. Baumann und Jochen Schwarz aus Schwetzingen. Neben nur einer Niederlage gegen Hanselmann aus Altlußheim, die der Großmeister bis dato verzeichnete, schoss Altmeister Karl Blattner sprichwörtlich den Vogel ab, als er zu vorgerückter Stunde in einer aufsehenerregenden Partie diesem die zweite Niederlage beibringen konnte.

Langjährige freundschaftliche Kontakte zum Schachclub Speyer und Dr. Tochtermann verhalfen den Hockenheimer Spielern Wolfgang Wein, Rainer Herrmann, Christian Würfel und Dieter Auer zu einem weiteren hervorragenden Erlebnis in ihrer Schachlaufbahn. Sie traten am 24. April 1990 gegen Anatoli Karpow, den damalig amtierenden Vizeweltmeister, bei einer Simultanvorstellung anläßlich der 2.000 Jahr-Feier der Stadt Speyer an. Die Hockenheimer Delegation musste die hohe Schachkunst des ehemaligen Welt-meisters auch vom Ergebnis her gesehen neidlos anerkennen.

Zum Jahresende wurde eine Jubiläumsfeier im Stadtpark Hockenheim durchgeführt. Unter den Klängen einer Musikkapelle gab es eine Tombola. Man dachte zurück an 60 lange Jahre Vereinsgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen.

„Die Straße sagt dem Reisenden nicht, was ihn am Ende seines Weges erwartet". Daher konnte sich wohl keiner der anwesenden Vereinsmitglieder vorstellen, dass die nächsten 10 Jahre zu einer Periode besonderer sportlicher Erfolge und Glanzlichter reifen sollte. Der Motor dieses Erfolges war unbestreitbar Dieter Auer, der 1985 zum 1. Vorsitzenden der SV 1930 Hockenheim gewählt wurde und die Nachfolge von Schachfreund Wolfgang Wein angetreten hatte. Mit außerordentlicher Zielstrebigkeit setzte er neue Akzente in den Bereichen Durchführung schachsportlicher Groß-veranstaltungen, Schachpublikationen und Medienpräsenz. Aber auch andere Persönlichkeiten wie zum Beispiel Wolfgang Wein, Karl Klein oder auch Christian Würfel hatten einen nicht unerheblichen Anteil an den zukünftigen sportlichen Erfolgen unseres Schachvereins.

Beginnen wir mit Christian Würfel. Er ist seit 1988 Mitglied der SV 1930 Hockenheim und wurde bereits ein Jahr später zum Spielleiter nominiert. In dieser Funktion war er in den kommenden Jahren ein fester Garant für die reibungslose Abwicklung des vereins-internen Spielbetriebs. Mit seiner Politik der kleinen Schritte erreichte er eine beständige Zunahme der Teil-nehmerzahlen bei Stadtmeisterschaften, Vereinsmeisterschaften, oder auch den Blitzturnieren.

Christian Würfel erfüllte diese Aufgabe meisterhaft. Dafür sei ihm an dieser Stelle noch einmal recht herzlich gedankt.

 

1991

Bereits im April dieses Jahres wurde der Grundstein für ein schachsportliches Topereignis gelegt. Die Vorstandschaft der SV 1930 Hockenheim beschloß am 12. April die Durchführung des 67. Badischen Schachkongress im Jahre 1994.

Das Jahr 1991 steht aber auch für den Beginn einer langjährigen, freund-schaftlichen Zusammenarbeit mit den Schachfreunden der Partnerstadt Hohenstein-Ernstthal. Vom 31. August bis 1. September beherbergte die SV 1930 Hockenheim 9 Gastspieler der sächsischen Partnerstadt in privaten Unterkünften. Die Wendejahre um 1989, die Öffnung der Mauer und die Wiedervereinigung waren noch frisch in Erinnerung und gaben neben den schachsportlichen Aktivitäten viel Gesprächsstoff her. Der Freund-schaftskampf wurde an 8 Brettern ausgetragen und Hockenheim ging mit     6:3 bzw. 7,5:1,5 Punkten als Sieger hervor. Die eigentlichen Sieger waren jedoch die neuen Freundschaften und die Zusammenarbeit beider Vereine in den Folgejahren.

Natürlich wurden auch in diesem Jahr die Klingen gekreuzt und Stadt-meisterschaften in den jeweiligen Altersklassen durchgeführt.

Stadtmeister wurde Dieter Auer. Punktgleich konnten sich Martin Wühl und Bernd Straub den Titel eines Jugendstadtmeisters sichern. Bei den Schülern konnte Stephanie Kunert die Siegerkrone entgegennehmen.

 

1992

„Die bequemen Lösungen von heute sind die unbequemen Aufgaben von morgen". So ähnlich mag wohl das ein oder andere Vorstandsmitglied empfunden haben, als am 31. März 1992 die SV 1930 Hockenheim offiziell den Zuschlag für die Ausrichtung des 67. Badischen Schachkongress 1994 erhalten hatte. Ein Jahr lang wurden Kontakte gepflegt, Pläne geschmiedet, am grünen Tisch Luftschlösser gebaut, doch nun war jedem klar - es wurde ernst!

Fast zeitgleich wurde die erste Hockenheimer Schachzeitung ins Leben gerufen, die sich unter der Redaktion von Carsten Müller in den folgenden Jahren zu einer zuverlässigen Informationsquelle für die Mitglieder der SV 1930 entwickelte. In den ersten Kolumnen unserer neuen Vereinszeitung fanden zwei Ereignisse eine besondere Erwähnung: Am 9. Februar 1992 erkämpfte sich die Hockenheimer Schachjugend den Titel eines Mannschaftsbezirksmeister. Nur wenige Monate später erfolgte der erste Besuch einer Delegation von Schachfreunden aus Hockenheim in Hohenstein-Ernstthal. Viele sammelten dabei neue Erfahrungen: war es für einige zum erstenmal ein Besuch in den neuen Bundesländern, so war es für andere eine interessante Gelegenheit, die kulturellen Aspekte unserer Partnerstadt kennen-zulernen - Hohenstein-Ernstthal ist der Geburtsort des großen Volksschriftstellers Karl May und die Stadt am Sachsenring.

Wie im Vorjahr wurde auch diesmal ein Freundschaftskampf ausgetragen, der in der Vorrunde mit 7:1 für Hockenheim und in der Rückrunde mit einem 4:4 Unentschieden ein versöhnliches Ende fand. Stadtmeister 1992 wurde Dieter Auer.

 

1993

Dies war ein stilles Jahr ohne große Glanzlichter, die Ruhe vor dem Sturm sozusagen. Doch in diesem Jahr wurden wichtige Weichenstellungen für die zukünftige Vereinsgeschichte vor-genommen: Im Juli 1993 stellte Stadtbaumeister Stulken der SV 1930 Hockenheim ihr neues Domizil im Keller der Pestalozzi-Schule vor; für den Spielbetrieb zweifelsohne ein Zugewinn an Sicherheit und Attraktivität gerade auch für das Jugendschach.

Die Früchte der Jugendarbeit unter Karl Klein offenbarten sich, dank eines regelmäßigen Trainingsbetriebs, nicht nur in einer wachsenden Spielstärke unserer Jüngsten, sondern auch im Mit-gliederzuwachs. Lena Schellhas konnte als 100. Mitglied aufgenommen werden!

Am 19. Juli 1993 erhielt die SV 1930 Hockenheim offiziell den Status eines eingetragenen Vereins. Was im Vorjahre mit dem Zuschlag für die Austragung des 67. Badischen Schachkongress seinen Anfang nahm, musste  nun zielstrebig umgesetzt werden. Ein Kongressteam wurde gebildet, in dem jedem Teammitglied ein klar umrissenes Aufgabenfeld zugewiesen wurde. Schließlich konnte der damalige Fide-Weltmeister Anatoli Karpow für eine Simultanveranstaltung im Rahmenprogramm des Schachkongress gewonnen werden und last but not least war gegen Jahresende eine druckreife Ausgabe des Kongressheftes fertiggestellt - die Hausaufgaben waren also gemacht!

Natürlich kam auch der Schachsport zu seinem Recht und so wurden auch in diesem Jahr wieder neue Titel vergeben. Manfred Werk wurde erstmalig Hockenheimer Stadtmeister.

 

1994

Endlich war es soweit! Vom 1. - 10. April 1994 richtete die SV 1930 Hockenheim den 67. Badischen Schachkongreß in der Rudolf-Harbig-Halle in Hockenheim aus. Das Kongressteam hatte bei 372 Teilnehmern alle Hände voll zu tun, insbesondere die vielen Helfer in der Küche - die Nachfrage nach Wurstbrötchen, Kaffee, Kuchen oder Bier wollte kein Ende nehmen. Die erforderlichen Arbeiten wurden allesamt mit Bravour erledigt. Das Turnier verlief unter der Leitung von Landesturnierleiter Saffran völlig reibungslos und der Bulletindienst war pünktlich. Am Ende wurde der Badische Meister durch einen späteren Stichkampf ermittelt und der Sieger hieß Wolfgang Gerstner.

Neben den sportlichen Attraktionen vermochte „unser" Schachkongress aber auch durch ein ungewöhnlich attraktives Rahmenprogramm zu begeistern: Ausstellungen mit den Themen „Schachbriefmarken" und „Schach-figuren" und insbesondere die Doppelsimultanveranstaltung mit Fide-Weltmeister Anatoli Karpow und dem Internationalen Meister Bernd Schneider. Karpow offenbarte nach seinem Auftritt vor 500 Zuschauern, dass er noch nie ein Simultanspiel vor solch einer beeindruckenden Kulisse bestritten hatte. Er war wohl so beeindruckt, dass er nur wenige Monate später eine Kurzvisite in der Rennstadt absolvierte, um bei einem Formel-1 Rennen auf dem Hockenheim-Ring live dabei sein zu können. Die Lokalmatadoren Martin Wühl und Dieter Auer konnten ihm ein Remis abtrotzen!

Zwischen Anatoli Karpow und der SV 1930 Hockenheim entwickelte sich so etwas wie eine schachfreundschaftliche Beziehung, die darin gipfelte, dass der Fide-Weltmeister am 10. Dezember 1994 zum Ehrenmitglied der SV 1930 ernannt werden konnte. Als weiterer Beleg für diese Freundschaft mag wohl gelten, dass Anatoli Karpow zusammen mit Rainer Grund, dem Besitzer einer der größten Privatsammlungen von Schachfiguren, und mit Dieter Auer einen aufwendig gestalteten Bildband mit dem Titel „Faszination Schach" veröffentlichte.

Nur zwei Monate nach Beendigung des Kongresses sollte bereits der Startschuss für gleich zwei schachsportliche Großereignisse in Hockenheim fallen: 12. Spargelblitzturnier und das 1. Inter-nationale Schnellschach-Open.

Das traditionelle Spargelblitzturnier konnte mit 44 Mannschaften einen neuen Teilnehmerrekord verbuchen. Die Premiere des Internationalen Hocken-heimer Schnellschach-Opens konnte als voller Erfolg gewertet werden. Neun Großmeister, sieben internationale Meister, drei FIDE-Meister und Spieler aus allen Teilen Deutschlands machten es den hiesigen Schachgrößen schwer, die begehrten vorderen Plätze zu erreichen. Der Ausgang des siebenrundigen Schnellschachturniers mit dreißig  Minuten Bedenkzeit pro Partie und Spieler blieb aufgrund des breiten Spitzenfeldes bis zum Schluss offen. Mit sechs Punkten gewann der litauische Großmeister Viktor Gawrikow vor dem polnischen Großmeister Alexander Woitkiewicz und dem russischen Großmeister Igor Glek. Bester Deutscher wurde Großmeister Rustem Dautov.

Neben diesen Top-Events verblassten die vereinsinternen Glanzlichter zu Unrecht.

Das große Nachwuchstalent Martin Wühl konnte zum erstenmal die Hockenheimer Stadtmeisterschaft erringen und Krone und Zepter in Empfang nehmen. Diese Leistung sollte keine Eintagsfliege bleiben. Martin Wühl entwickelte sich in den kommenden Jahren zum Spitzenspieler der Schachvereinigung! Gerade an dieser Stelle muß noch einmal für Karl Klein eine Lanze gebrochen werden. Er hatte über mehrere Jahre hinweg mit selbstlosem Einsatz das Hockenheimer Jugendschach gefördert. Viele seiner Schüler wurden in die höheren Weihen der Eröffnungsschule eingeführt und so mancher wird bei dieser harten aber guten Schule schwer geschwitzt haben. Vielleicht ist auch der eine oder andere abgesprungen. Aber jene, die das Herz am rechten Fleck hatten und die Schönheit des königlichen Spiels erkannt haben, sind dabei geblieben: Martin Wühl, Bernd Straub, Sven Hans, Christoph P., Christoph Brückner, Dominic Transier, Diana Träutlein, Thomas Löchel, Blerim Kuci, Jehad Mansor - diese Auflistung ist nur eine Auswahl und man könnte noch viele andere Namen von Schülern und Jugendlichen nennen, die auch heute noch mit Begeisterung das Schachspiel pflegen. Kein Wunder dass die damaligen Jugendmannschaften hervorragende Ergebnisse ablieferten. Die A-Jugend wurde Bezirksmeister und die D-Jugend Badischer Vize-Meister!

Karl Klein wurde am 17. Dezember im Rahmen der Weihnachtsfeier der SV 1930 Hockenheim zum Ehrenvorsitzenden ernannt. An dieser Stelle zitieren wir Dieter Auer:

„Karl Klein hat sich um den Verein verdient gemacht". „Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören" - so ähnlich mag wohl Karl Klein empfunden haben, als er noch im Jahre 1994 die Betreuung des Jugendschachs in die Obhut eines seiner besten Schüler legte: Bernd Straub - und es war eine gute Entscheidung.

Bernd sorgte dafür, dass das Hocken-heimer Jugendschach auch in den kommenden Jahren nichts von seiner Qualität und Attraktivität einbüßen sollte. Mit Bravour meisterte er diese schwierige Aufgabe und führte die Schachjugend zu weiteren grossen Erfolgen.

 

1995

In dem Nachkongressjahr unternahm der Verein alle Anstrengungen vom einmal eingeschlagenen Weg nicht wieder abzukommen. Es ist viel leichter, ein bestimmtes Niveau zu erreichen, als dieses auch zu halten.

Daher nutzte Dieter Auer unermüdlich seine vielfältigen Kontakte und wurde schließlich im Racket-Center Nußloch fündig. Er konnte den Geschäftsführer dieser wunderbaren Sportarena, Jürgen Hieronymi, für die Idee einer weiteren Großveranstaltung gewinnen:

Die Ausrichtung der Internationalen Deutschen Meisterschaften 1996 im Racket Center Nußloch. Doch dies war zunächst noch Zukunftsmusik und die SV 1930 Hockenheim nutzte die Verschnaufpause für eine Reihe interessanter Aktivitäten im sportlichen sowie kulturellen Bereich.

Eine Woche Ferienfreizeit in der Schacherhütte war für schachinteressierte Schüler und Jugendliche das Top-Event 1995, man darf aber auch die Einweihung der Freiland-Schachanlage in der Lamellenhalle auf dem Landes-gartenschaugelände als gelungenen Beitrag zum Kulturbetrieb in der Rennstadt Hockenheim werten.

Das erneute Partnerschaftstreffen mit unseren Schachfreunden aus Hohenstein-Ernstthal und die erste Teilnahme der SV 1930 Hockenheim mit einem eigenen Stand am Hockenheimer Advent rundeten dieses Bild ab. Auch auf dem sportlichen Sektor konnten einige stattliche Erfolge auf der Habenseite verbucht werden: Die Ausrichtung des Spargel-Blitzturniers und eine Neuauflage des Internationalen Hockenheimer Schnellschach-Opens lockten so manchen Schachspieler aus Nah und Fern und vor allem wieder einige namhafte Spieler der Weltelite in die Rennstadt. Bei einer recht ordentlichen Teilnehmerzahl von 60 Spielern konnte sich der bulgarische GM Atanas Kolev als Sieger durchsetzen.

Der Aufstieg der 1. Mannschaft in die Landesliga wurde mit einem stattlichen Endergebnis von 17:1 Mann-schaftspunkten besiegelt. Der Schwetzinger Jürgen May konnte sich erstmalig die Hockenheimer Schach-stadtmeisterschaft sichern.

 

1996

Die Aufbauarbeit in der 1. Mannschaft trug auch in diesem Jahr weitere Früchte. Nur denkbar knapp verpassten unsere acht Topspieler den Aufstieg in die Verbandsliga mit einem zweiten Platz hinter dem Aufsteiger Schwetzingen. Rückblickend überraschte vor allem der 8:0 Kantersieg der Hockenheimer in der 7. Runde gegen den Tabellenführer aus Schwetzingen, der den schon sicher geglaubten Aufstieg unserer Nachbarn noch einmal kräftig in Gefahr brachte. Doch die routinierten Schwetzinger Schächer ließen in den letzten beiden Runden nichts mehr anbrennen und unsere Mannschaft hatte das Nachsehen. Diese Leistungssteigerung hatte sicherlich mehrere Ursachen, doch man sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass die erste Mannschaft zwanzig mal in Folge in Stammbesetzung angetreten war - die beste Grundlage überhaupt für ein solides, erfolgreiches Mannschaftsspiel und eine hohe Vorbildfunktion für alle anderen Vereinsmitglieder. Daher war es nur folgerichtig, dass fünf(!) aktive Mannschaften der SV 1930 Hockenheim in der Saison 95/96 die Verbands-rundenkämpfe absolvierten.

An dieser Stelle sei auch das Ergebnis der Hockenheimer Stadtmeisterschaft er-wähnt: Ralf Hemberger setzte sich deutlich gegen die Konkurrenz durch und holte sich den Titel.

Der Enthusiasmus und die Einsatzfreude in diesen Tagen wurde nicht nur für eigene sportliche Erfolge genutzt, sondern auch in das schachsportliche Top-Ereignis des Jahres 1996 eingebracht. So bei der Durchführung der Internationalen Deutschen Schachmeisterschaften im Racket-Center Nußloch mit den Spielern der Weltelite. Alexander Drejew, Ivan Sokolov, Artur Jussupow, Zbynek Hracek, Robert Hübner, Rustem Dautov, Eric Lobron, Jörg Hickl, Stefan Kindermann, Jeroen Piket, Cristopher Lutz und Roman Slobodjan. In der Zeit vom 17. Mai bis 1. Juni 1996 war das Racket-Center Nußloch ein Schachmekka für Liebhaber des königlichen Spiels.

Die Fans der geladenen Spitzenspieler kamen voll auf ihre Kosten, konnten sie doch die Partien ihrer Idole in aller Ruhe auf den 6 großformatigen Computer-bildschirmen mitverfolgen. Die Schach-figurenausstellung mit Exponaten aus der Privatsammlung von Rainer Grund schlug vor allem die Schachhistoriker und Kunstexperten in ihren Bann und bildete den ruhigen Gegenpol zu der spannungsgeladenen Atmosphäre im Turniersaal.

Das Rahmenprogramm wurde durch unterschiedliche Attraktionen bereichert: Auftaktveranstaltung war das mit 90 Teilnehmern sehr stark besetzte Internationale Hockenheimer Schnell-schachopen, die grosse Pressekonferenz, ein Schnellschach-Duell Karpow gegen Lobron mit einer Bedenkzeit von 2 x 30 Minuten, Simultanveranstaltungen mit Artur Jussupow und Vlastimil Hort, das Happening der Schachkünstlerin Hildegard Pufe mit Schnellzeichnungen vor Ort und die kompetenten Partieanalysen des Schachjournalisten und Großmeister Ray Tischbierek.

Die Durchführung des Turniers unter der Leitung des Schiedrichtergespanns Helge Pollmann und Jürgen Damann, sowie die Erledigung der notwendigen orga-nisatorischen Maßnahmen in den Händen von Jürgen Hieronymi und Dieter Auer, verliefen völlig reibungslos.

Das Hotel Ambiente setzte einen würdigen Schlusspunkt mit einem stilvollen Abschlussbankett, in dessen Rahmen die Siegerehrung vollzogen wurde. Überraschender Gesamtsieger wurde GM Rustem Dautov.

 

1997

Der Aufwärtstrend der 1. Mannschaft hielt auch in der neuen Saison unvermindert an und unsere Spitzenmannschaft konnte am Ende der Verbandsrunde mit 18:0 Mannschaftspunkten verdientermaßen den Aufstieg in die Verbandsliga vermelden. Ein großartiger Erfolg, denn schließlich gelang der Schachvereinigung dieser Coup zuletzt vor 26 Jahren in der Saison 1970/71.

Die dritte und vierte Mannschaft der SV 1930 Hockenheim konnten diese Saison ebenfalls mit einem Spitzenplatz in ihrer Gruppe beenden und standen ebenfalls als Aufsteiger fest.

Wie unschwer zu erkennen ist, lag der Schwerpunkt in diesem Jahr eher im Jubel und in Siegesfeiern, als in der harten Organisationsarbeit der vergangenen Jahre. Doch der Leser wird dem Chronisten sicherlich zustimmen, dass irgendwann gesät und dann auch geerntet werden muss.

Ein Spektakel der besonderen Art lieferte der musikalisch begabte Großmeister und ehemalige WM-Titelkandidat Lajos Portisch an einem Liederabend in der Stadthalle Hockenheim, zu dem die Schachvereinigung geladen hatte. Unter der Begleitung von Elena Beselt, einer virtuosen Konzertpianistin, trug der gebürtige Ungar einige ausgewählte Gesangsstücke vor und stellte damit sehr eindrucksvoll unter Beweis, dass begabte Schachspieler außer dem Hang zur strengen Logik auch ein Herz für das Schöne und Spontane besitzen können.

Am Ende dieses Jahres wurden im Rahmen der Weihnachtsfeier drei herausragende Persönlichkeiten unseres Schachvereins in einem besonderen Festakt für ihre 50-jährige Vereins-zugehörigkeit geehrt.

Gerhart Seiter, der ehemalige Präsident des Badischen Schachverbandes, ließ es sich nicht nehmen, persönlich Wolfgang Wein, Karl Klein und Josef Hauck für ihre unbestrittenen Verdienste zu ehren. Zitat Seiter: „Diese drei Männer haben 50 Jahre lang dem Verein die Treue gehalten, in verantwortlicher Position geleitet, gestaltet und mit geprägt."

 

1998

Der positive Aufwärtstrend im sportlichen Bereich, vor allem bei der ersten Mannschaft im Vorjahre, beflügelte die Hockenheimer Schachjugend. Angespornt durch das vorbildliche Verhalten unserer Spitzenspieler konnte unser Nachwuchs erneut seine ehrgeizigen Ambitionen unter Beweis stellen.

Die Bezirksmeisterschaft unserer C-Jugend und der zweite Platz der A-Jugend bei den Badischen Mannschafts-meisterschaften sprachen für sich.

Unser Nachwuchs war auf dem besten Wege, die Führung im Jugendbereich des Bezirks Mannheim zu übernehmen. „Wer die Jugend für sich hat, dem gehört die Zeit" sagt ein altes Sprichwort.

Die Grundlage für die weiteren Erfolge beruhte in der Arbeit von Karl Klein und Bernd Straub. Unter Christoph Brückner, dem neuen Jugendleiter, sollte diese wichtige Tätigkeit erfolgreich fortgesetzt werden.

So konnte man recht optimistisch in die Zukunft sehen, doch dann wurden die  Mitglieder der Schachvereinigung durch ein Ereignis jäh aus allen Wolken gerissen. Wolfgang Wein verstarb am 7. Dezember 1998. Es ist unmöglich in Worte zu kleiden, was dieser Verlust für viele von uns bedeutete. Wolfgang war so etwas wie die gute Seele des Vereins; er zeichnete sich vor allem durch zwei Fähigkeiten aus: Hingabe und Humor. Ohne Zweifel, Wolfgang Wein hatte sein Leben dem Schachsport in Hockenheim gewidmet und bei all dieser Arbeit eine gehörige Portion spitzbübischer Heiterkeit bewahrt. Der Mann mit der Zigarre konnte so manchem Gegenspieler den Kopf vernebeln, doch es gab eine Gegenleistung. Irgendwie schaffte es Wolfgang Wein immer wieder, einer trockenen Schachpartie Leben einzuhauchen - da fielen lockere Kommentare zum Spielgeschehen, da konnte auch mal herzhaft über sich und die Eigenarten anderer gelacht werden.

Wolfgang Wein war mehr als ein halbes Jahrhundert ein treues Mitglied der SV 1930 Hockenheim; seine persönliche, sportliche Bilanz kann sich sehen lassen: Hockenheimer Stadtmeister in den Jahren 1964 und 73 und Blitzstadtmeister 1966, 67, 76 und 92. Über 22 Jahre hinweg, von 1963 bis 1985, lenkte er als erster Vorsitzender die Geschicke des SV1930. Für sein Lebenswerk wurde Wolfgang Wein schließlich mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg aus-gezeichnet.

Im Jahre 1980 initiierte er das erste Spargel-Blitzturnier, das sich in den kommenden Jahren zu einer festen Größe im regionalen Turnierschach etablieren sollte. Unsere Vorstandschaft beschloss daher einstimmig, dieses große Hockenheimer Traditionsturnier auf den Namen „Wolfgang-Wein-Gedächtnis-turnier" umzutaufen.

Am 11. Dezember 1998 wurde Wolfgang Wein im engen Kreis seiner näheren Verwandten und Bekannten zu Grabe getragen.

 

1999

Anscheinend konnte und wollte sich unsere A-Jugend mit der Badischen Vize-Meisterschaft im letzten Jahr nicht abfinden und so gelang der große Wurf in diesem Jahr. In einem bis zur letzten Minute spannenden Endspiel gegen den direkten Konkurrenten aus Birkenfeld setzte sich unsere A-Jugend, bestehend aus Blerim Kuci, Christoph P., Jehad Mansor, Sven Hans, Thomas Löchel, Christoph Brückner, Dirk Hemmerich und Dominic Transier, knapp mit 3,5 : 2,5 durch und erkämpfte sich den langersehnten Titel der Badischen Meisterschaft und damit die Qualifikation zur Teilnahme an der Deutschen Vereinsmeisterschaft U20 in Bonn-Röttgen vom 26. - 30. Dezember 1999.

Im gleichen Jahr holte sich Rainer Buhmann die Deutsche Meisterschaft U18.

Rainer Buhmann wurde schon seit geraumer Zeit vom Hockenheimer Vereinstrainer IM Roman Vidonyak betreut und trainiert. Für die im Jahr 2000 ausgerichteten Deutschen Schnellschach- Einzelmeisterschaften der Damen und Herren in der Stadthalle Hockenheim hatte das Organisationsteam beschlossen, für Rainer Buhmann einen Freiplatz zu reservieren.

Das Hockenheimer Schnellschach-Open wurde vorraussichtlich zum letzten Male durch die SV 1930 Hockenheim ausgerichtet. Unsere Vorstandschaft fällte diese schmerzliche Entscheidung aus mehreren Gründen, aber der wohl wichtigste bestand in der mangelnden Akzeptanz dieses sportlichen Groß-ereignis durch die Vereinsspieler aus der Region und dem damit zwangsläufig verbundenen Rückgang der Teilnehmer-zahlen seit 1996. Srdjan Panzalovic setzte mit seinem Sieg einen vorläufigen Schlusspunkt.

 

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